Thor: The Dark Kingdom…äh…World

Es ist zwar schon ein paar Tage her, dass ich im Kino Thor – The Dark Kingdom gesehen habe, aber das hält mich nicht davon ab, hier endlich mal meine erste Filmkritik zu verfassen (wird ja auch Zeit, nachdem das Ding hier schon seit Anfang August leer steht). Fangen wir am Anfang an, beim Titel nämlich. Aus mir nicht klaren Gründen gibt es für den Film in Deutschland nämlich einen „deutschen Titel“ – eigentlich heißt er ja Thor: The Dark World, aber vielleicht hatte da einer im Verleih Zungenbrecherattacken oder so, so dass man World durch Kingdom ersetzt hat. Warum man dann nicht konsequenterweise gleich zu „Das dunkle Königreich“ gewechselt ist, erschließt sich mir nicht.

Der Film ist nun die neueste Ausgabe des Marvel Cinematic Universe, zu dem auch Iron Man, Captain America und The Avengers gehören. Dabei ist es der zweite Thor-Film und folgt chronologisch auf die Ereignisse in The Avengers. Insgesamt ist The Dark Kingdom visuell deutlich spektakulärer als der erste, obwohl lediglich 20 Millionen Dollar mehr verbraten wurden. Gerade die Ausblicke auf Asgard und die Beerdigungsszene bieten jede Menge eye candy. Storymäßig ist der Film deutlich dünner, macht das jedoch durch gute Interaktionen zwischen den Figuren wett. Nachteil der Story, die von einem Naturereignis – Die Konvergenz der Neun Welten – getrieben wird, ist, dass die Figuren eher reagieren als dass sie die Initiative ergreifen. Insgesamt kommt durch den Plot eher wenig Mitfiebern auf, was sicher auch daran liegt, dass das gute Ende irgendwo absehbar ist. Aber auch ohne dass man sonderlich mitfiebert, lohnt sich der Film als Unterhaltungskino durchaus – es ist aber eben nicht anspruchsvollste Cineastenkost.

Einige Sachen sind durchaus problematisch. Wie auch comicbookgirl19 in ihrem Review (Youtube, ca. 10 min.) anspricht, funktionieren einige Szenen und Plotelemente schlicht gar nicht. Da wäre zu einem der Tod von Thors Mutter, der zusammen mit ihrem Begräbnis einen wichtigen Plotpunkt darstellt. Da aber Rene Russos Figur praktisch gar nicht ausgebaut ist (nicht in The Dark World, kaum in Thor), fehlt dem Zuschauer einfach die emotionale Bindung und das Begräbnis wird eher achselzuckend hingenommen. Da hilft auch Lokis Verzweiflung über den Tod seiner „Mutter“ nicht wirklich drüber hinweg.
Die Frage, ob die Romanze zwischen Thor und Natalie Portmans Jane Foster realistisch ist, kann man sicher unterschiedlich beantworten. Festzuhalten ist aber, dass sie im Prinzip hauptsächlich in ein paar Gesten ausgelebt wird, ohne dass dem Zuschauer irgendwelche Cues gegeben werden, woher da die Entwicklung kommt. Das war in Thor so, in The Avengers findet die Romanze lediglich statt, indem Thor nach Janes Verbleib fragt, und auch in diesem Film ist das Element irgendwie unausgereift – sieht man davon ab, dass sich Jane Foster eher unemanzipiert nach Thor verzehrt. Aber nun.

Eine Plotlinie, die ebenfalls nicht verfolgt wird, ist das Verhältnis von Sif zu Jane Foster. Es gibt einige Szenen, die so etwas wie Eifersucht auf Sifs Seite andeuten, darauf wird aber nicht weiter eingegangen. Das könnte aber auch mit der Verletzung zusammenhängen, die sich Jaimie Alexander bei den Dreharbeiten zugezogen hat. Schade bleibt es dennoch, denn hier hätte man das Potential zu noch mehr Figurentwicklung bei beiden weiblichen Rollen gehabt.

Insgesamt ist der Film zwar recht düster,1 dafür gibt es aber fast zu viel Comic Relief. Nicht nur Kat Dennings‘ Figur Darcy, die als Jane Fosters Praktikantin in diesem Film ihren eigenen Praktikanten angeschafft hat2, sondern auch Stellan Skarsgårds Figur kann man in diesem Film nahezu ausschließlich in diese Ecke stecken. Gerade Skarsgårds Selvig scheinen die Ereignisse in The Avengers gar nicht gut bekommen zu sein, so dass er jetzt am liebsten ohne Hosen herumläuft, weil ihm das beim Denken hilft. Albern? Bestimmt, aber es funktioniert und erzeugt Lacher. Außerdem spielen alle drei im Showdown doch eine wesentliche Rolle, so dass sie immerhin nicht nur für Comic Relief missbraucht werden.

Trotz Schwächen ist Thor: The Dark Kingdom3 ein unterhaltsamer Film, bei dem ich den Gang ins Kino nicht bereut habe. Und besser als Thor ist er auch noch. Daher:

  1. Die Gegner sind immerhin auch Dunkelelfen, hrhr. []
  2. Das erinnerte zumindest mich an Marc-Uwe Klings „Generation Praktikum“. []
  3. World []

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